Autoren: Tassilo Moritz | Michael Stelter

»Beschwipste Räucherkerzen und Keramik: Locker und dufte nur mit Alkohol?«

05. Dezember 2017

Damit das Räucherkerzchen einen angenehmen Duft verbreitet, werden ihm wohlriechende Stoffe zugesetzt. Das können Pulver sein, zum Beispiel Sandelholz. In den meisten Fällen gibt man jedoch Harze wie Weihrauch und Myrrhe bei. Auch einfaches Baumharz von heimischen Nadelbäumen kann verwendet werden. Harze lassen sich jedoch schlecht vermahlen, da sie in einer Mühle schnell zu schmieren beginnen. Daher werden sie oft in einem organischen Lösemittel beispielsweise Alkohol gelöst und der Masse zugesetzt.

Auch bei keramischen Bauteilen benötigt man Zuschlagstoffe und sogenannte Dispergierhilfsmittel. Im umweltfreundlichsten Fall ebenfalls Wasser, um das Pulver anzurühren. In einigen Fällen, bei denen die keramischen Pulver mit Wasser chemisch reagieren würden, greifen wir auf organische Lösungsmittel, unter anderem Isopropanol oder Ethanol zurück.

Die Zuschlagstoffe in der Keramik dienen nicht deren gutem Geruch, sondern sind zumeist Prozesshilfen. Sie lösen Pulververklumpungen auf, verhindern das Absetzen der Pulverteilchen (Dispergierhilfsmittel) und das Aufschäumen der dispergierten Pulver (Entschäumer) oder ermöglichen das gute Benetzen der Pulveroberfläche durch das Lösungsmittel (Netzmittel). Weitere Zuschlagstoffe wiederum können die späteren Eigenschaften der Keramikbauteile beeinflussen, so etwa deren elektrische Leitfähigkeit, ihre hohe mechanische Festigkeit oder aber sie bewirken eine bestimmte Farbe.

Räucherkerzenherstellung: Zugabe von Weihrauch als Zuschlagsstoff.
© Fraunhofer IKTS
Grobkörniger Weihrauch wird mit Alkohol als Lösungsmittel zu einer Mischung verarbeitet.
Keramische Zuschlagstoffe, die die Farbe der Keramik verändern.
© Fraunhofer IKTS
Beispiele wie die Zugabe von Zuschlagstoffen ein Bauteil verändert. Damit kann unter anderem die Farbe beeinflusst werden. Sie sehen hier Ringe aus Zirkonoxid (ZrO2) schwarz/weiß hergestellt im 2-Komponenten-Spritzguss-Verfahren.
Keramische Zuschlagstoffe, die die Funktion der Keramik verändern.
© Fraunhofer IKTS
Nicht nur in Schwarz-Weiß, sondern in den unterschiedlichsten Farben lassen sich Bauteile, etwa aus Sinterglas mit Partikeleinfärbung, herstellen. Aber nicht nur Farbe auch Funktionalität ist über die Zugabe von Zuschlagstoffen beeinflussbar.

Erfahren Sie mehr zu Zuschlagstoffen und Lösemittel in der technischen Keramik und entdecken Sie weitere Möglichkeiten, wie die Funktion der Keramik deteilgenau entlang ihrer Aufgabe beeinflusst werden kann.

Hier entlang geht es zum vorherigen Beitrag: »Das Bindemittel – oder was Räucherkerze und Hochleistungskeramik im Innersten zusammenhält«. Hier gelangen Sie zum Nächsten: »Von der Grundmasse für Kerzen bis zum Feedstock«. Und hier zurück zur Blogübersicht.

Bleiben Sie darüber hinaus informiert. Mehr zur Forschung und Entwicklung aus den Fraunhofer IKTS lesen, sehen und hören Sie in unserem Newsletter oder auf unseren Facebook-, Instagram- und Twitter-Profilen. Oder Sie schauen einmal auf unserem YouTube-Kanal vorbei. Wir freuen uns auf Ihren Besuch und Ihre Kommentare.