SMART Agroforst: Digitalisierung zur Förderung der Etablierung von Agroforstsystemen auf der Landschaftsebene als Beitrag zur Klimaresilienz Süd-Sachsen-Anhalts und Dekarbonisierung seiner chemischen Industrie

Prozessbewertung von Verwertungspfaden agroforstlicher Rohstoffe

In Agroforstsystemen wird neben landwirtschaftlichen Produkten, wie Getreide und Rüben, auch Holz produziert. Dieses Holz und andere lignozellulosehaltige Biomasse kann als Rohstoff für eine Vielzahl von Prozessen in weiterverarbeitenden Industrien z. B. aus dem Papier-, Chemie- und Energiesektor dienen. Im Projekt »SMART Agroforst« entwickeln wir Methoden zur systematischen Bewertung dieser Verwertungspfade. Dazu werden die Prozessketten von der Bereitstellung und Vorbehandlung der Biomasse über die stoffliche oder energetische Umwandlung bis hin zum Endprodukt modelliert.

Die Prozessmodelle bilden Material- und Energieflüsse, Umwandlungsausbeuten, Prozessbedingungen sowie Produkteigenschaften ab. Darauf aufbauend werden die Verwertungspfade hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit und ihrer Umweltauswirkungen analysiert und miteinander verglichen. Alle erzeugten Prozess-, Produkt-, Umwelt- und Wirtschaftsdaten werden in einer standardisierten Datenbank zusammengeführt. Dies ermöglicht den systematischen Vergleich verschiedener Technologien sowie Verwertungspfade und unterstützt z. B. Technologiewahl- und Investitionsentscheidungen.

Methoden

  • Verwertungspfad-Mapping: Systematische Beschreibung der Prozessketten durch Definition von Systemgrenzen, Prozessstufen, Produkten sowie erforderlichen Eingangs- und Ausgangsdaten.
  • Prozessmodellierung und -simulation: Modulare Abbildung einzelner Verfahrensschritte einschließlich Material- und Energieflüssen, Umwandlungsausbeuten und Produkteigenschaften.
  • Techno-ökonomische Bewertung: Analyse von Investitions- und Betriebskosten, Identifikation wesentlicher Kostentreiber sowie Bewertung der Wirtschaftlichkeit und von Skaleneffekten.
  • Lebenszyklusanalyse (LCA):Erstellung von Lebenszyklusinventaren und Bewertung von Ressourcenverbrauch, Emissionen und potenziellen Umweltauswirkungen.
  • Datenbankintegration: Standardisierte Erfassung und Verwaltung von Prozess-, Produkt-, Umwelt- und Wirtschaftsdaten als Grundlage für den Vergleich von Technologien, Verwertungspfaden und Szenarien.

Strategische Netzwerkplanung

© Fraunhofer IKTS
Prozessbewertung von Rohstoffverwertungspfade in der Agroforstwirtschaft.
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Lieferkettennetzwerk der Agroforstsysteme. Die Polygone zeigen potenzielle AFS-Flächen, die nach Standorten gruppiert sind. Kreise kennzeichnen Vorbehandlungsanlagen, Dreiecke die Logistikzentren und Quadrate die Verbraucherstandorte.
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Standortauswahl und Biomasseproduktion in der optimalen Lieferkettenkonfiguration. Die Kreisdiagramme veranschaulichen an den aktiven Standorten den Produktmix der geernteten Biomasse und sind entsprechend des gesamten Erntevolumens skaliert.

Für den Aufbau regionaler Wertschöpfungsnetzwerke zur stofflich-chemischen Nutzung agroforstlicher Rohstoffe entwickeln wir strategische und taktische Planungs- und Optimierungsmodelle. Diese ermöglichen die systematische Bewertung und Gestaltung zukünftiger Netzwerkstrukturen unter Berücksichtigung technologischer, wirtschaftlicher und logistischer Rahmenbedingungen.

Ziel ist die Identifikation langfristig tragfähiger Netzwerkkonfigurationen, die eine effiziente Nutzung regional verfügbarer Rohstoffe ermöglichen. Hierzu werden mathematische Optimierungsmodelle entwickelt, die unterschiedliche Szenarien – beispielsweise variierende Anlagenstandorte, Prozesstechnologien, Transportbeziehungen und Organisationsformen – abbilden und anhand definierter Leistungsindikatoren bewerten.

Die Modelle ermöglichen die Ermittlung geeigneter Netzwerkstrukturen hinsichtlich zentraler Zielgrößen wie Kosten, Ressourceneffizienz und Versorgungssicherheit. Durch die Kopplung mit einer Simulationsumgebung können zusätzlich dynamische Entwicklungen, Unsicherheiten und alternative Zukunftsszenarien untersucht werden.

Das entstehende Optimierungs- und Simulationsframework unterstützt Unternehmen, Kommunen und weitere Akteure entlang der agroforstlichen Wertschöpfungskette bei strategischen Investitions-, Infrastruktur- und Kooperationsentscheidungen.

 

Methoden

  • Netzwerk-Design: Modellierung und Optimierung der räumlichen Struktur von Wertschöpfungsnetzwerken einschließlich Anlagenstandorten, Transportbeziehungen und Materialflüssen.
  • Supply Chain Optimization: Optimierung der Rohstoffversorgung, Transportlogistik, Anlagenauslastung und Stoffströme unter Berücksichtigung technischer und wirtschaftlicher Randbedingungen.
  • Strategische Investitionsplanung: Bewertung langfristiger Investitionsentscheidungen hinsichtlich Kapazitäten, Technologieoptionen und Infrastrukturentwicklung unter verschiedenen Markt- und Ressourcenbedingungen.
  • Szenario-Analyse und Prognose: Analyse alternativer Zukunftsszenarien zur Bewertung der Robustheit von Netzwerkkonfigurationen gegenüber Änderungen von Rohstoffverfügbarkeit, Nachfrage, Kosten oder politischen Rahmenbedingungen.

Biomassepotenziale der Agroforstwirtschaft

© Fraunhofer IKTS
Schematische Darstellung des Entscheidungsprozesses zur Optimierung agroforstlicher Erntezyklen.
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Biomasseverteilung. Altersabhängige Verteilung der Biomasseanteile von Stammholz, Ästen und Rinde.
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Wuchsmodelle. Regressionsbasierte Ableitung von Wuchsfunktionen zur Beschreibung der Höhen- und BHD-Entwicklung ausgewählter Baumarten und -klone anhand verfügbarer Wachstumsdaten.

Die Agroforstwirtschaft unterscheidet sich von der klassischen Forstwirtschaft insofern, als der ökonomische Nutzen nicht primär auf der Biomasse eines ausgewachsenen Baumes beruht. Stattdessen wird durch wiederkehrende Erntezyklen mit anschließendem Nachwachsen ein kontinuierlicher bzw. frequenter Biomasseertrag erzielt. Die zentrale Herausforderung der Agroforstwirtschaft besteht daher darin, unter Berücksichtigung der jeweiligen Baumart bzw. des verwendeten Klons sowie der standortspezifischen Bedingungen optimale Erntezyklen zu bestimmen.

Hierfür ist die Entwicklung geeigneter Wachstumsmodelle erforderlich, die insbesondere die Nachwuchs- bzw. Regenerationsphasen nach der Ernte realitätsnah abbilden. Ergänzend werden belastbare allometrische Beziehungen benötigt, um die Anteile einzelner Biomassefraktionen – beispielsweise Rinde, Äste und Stammholz – zuverlässig abschätzen zu können.

Die Ermittlung optimaler Erntezyklen unter Berücksichtigung standort- und baumartenspezifischer Parameter sowie der räumlichen Kopplung mehrerer Agroforstflächen erfolgt mithilfe eines binären Entscheidungsmodells.

 

Methoden

  • Mathematische Modellierung: Entwicklung mathematischer Modelle zur Beschreibung von Wachstumsprozessen, Biomasseentwicklung und Erntestrategien unter Berücksichtigung biologischer und standortspezifischer Einflussgrößen.
  • Optimierungsverfahren: Formulierung und Lösung binärer bzw. gemischt-ganzzahliger Optimierungsmodelle zur Bestimmung optimaler Erntezyklen und zur Koordination räumlich verteilter Agroforstflächen.
  • Regressions- und Allometriemodellierung: Ableitung von Wuchsfunktionen und allometrischen Beziehungen aus Messdaten zur Schätzung von Biomasseerträgen und Biomassefraktionen.
  • Numerische Simulation: Simulation von Wachstums- und Ernteszenarien zur Analyse langfristiger Biomassepotenziale und zur Bewertung alternativer Bewirtschaftungsstrategien.
  • Python-basierte Modellentwicklung: Implementierung, Parametrisierung und Auswertung der Modelle in Python unter Einsatz wissenschaftlicher Bibliotheken für Datenanalyse, Optimierung und Visualisierung

Leistungen

Die Arbeiten des Fraunhofer IKTS konzentrieren sich auf die Entwicklung digitaler Methoden zur strategischen Planung und Bewertung regionaler Agroforst-Wertschöpfungsnetzwerke. Ziel ist die Schaffung von Entscheidungsgrundlagen für die nachhaltige Etablierung von Agroforstsystemen unter Berücksichtigung logistischer, wirtschaftlicher und klimatischer Rahmenbedingungen. Hierzu werden Optimierungs- und Simulationsverfahren entwickelt sowie Markt- und Stoffstromanalysen durchgeführt, um regionale Versorgungsstrukturen und Verwertungspfade biobasierter Rohstoffe zu bewerten.

    Entwicklung von Optimierungsmodellen zur strategischen Planung regionaler Agroforst-Wertschöpfungsnetzwerke

    Entwicklung effizienter Lösungsverfahren für großskalige Netzwerkplanungsprobleme und Szenarioanalysen

    Konzeption und Umsetzung eines Simulationsframeworks mit integrierter Benutzeroberfläche zur Visualisierung und Bewertung regionaler Versorgungsstrukturen

    Analyse von Absatzmärkten, Substitutionspotenzialen sowie technischen und ökonomischen Produkteigenschaften agroforstbasierter Rohstoffe

Koordination: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Partner: Fraunhofer IMWS, DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum gGmbH, DLG e. V., GISA GmbH, GMBU e. V., Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt, UPM Biochemicals GmbH, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ, Leipzig

Projektlaufzeit: 01.04.2024 – 31.12.2028

Link: https://www.dip-sachsen-anhalt.de/projekt/dip-smartagroforst/