Forschung aktuell
Das EU-geförderte STOP-Projekt entwickelt langlebige, aufsprühbare, antimikrobielle und antivirale Nanobeschichtungen für stark beanspruchte Oberflächen, die anorganische Nanopartikel, antimikrobielle Peptide und laserinduzierte Oberflächenstrukturierung kombinieren [1]. Diese Beschichtungen sollen Resistenzen minimieren, Infektionen verringern, Gesundheitskosten senken, die Umweltverschmutzung durch Desinfektionsmittel reduzieren und die Pandemievorbereitung verbessern. Das Fraunhofer IKTS in Forchheim unterstützt das Projekt durch detaillierte Oberflächencharakterisierung variierter Nanobeschichtungen mittels fortschrittlicher Mikroskopie- und Spektroskopietechniken.
Abbildung 1 zeigt ein REM-Bild einer sprühbaren Nanokomposit-Beschichtung auf Edelstahl, bei der TiO2-Nanopartikel in einer Darvan-Matrix dispergiert und mittels Raman-Spektroskopie identifiziert wurden (Abb. 2). Die TiO2-Darvan-Mischung gewährleistet eine stabile Suspension, bessere Haftung, me-chanische Stabilität und verstärkte antimikrobielle Eigenschaften für reale Bedingungen. Später im Projekt wird Helium- Ionen-Mikroskopie (HIM) eingesetzt, um Bakterien und Viren auf verschiedenen Oberflächen zu visualisieren und die Wirksamkeit der Beschichtungen zu bewerten. HIM bietet qualitativ hochwertigere Bilder biologischer Proben mit minimalen Schäden und Aufladungen.
Die Laserstrukturierung von Oberflächen zur Erzeugung nanoskaliger Rauheiten (sogenannte laserinduzierte periodische Oberflächenstrukturen – LIPSS [1]) ist ein effektiver Ansatz, um die Anhaftung von Bakterien und Viren zu verhindern, indem die Pathogene gestört und/oder die Hydrophobizität erhöht wird. Die Topographie der gelaserten Oberflächen kann mit Rasterkraftmikroskopie (AFM) und optischer Profilometrie analysiert werden. AFM erfasst feine nanoskalige Details auf kleineren Bereichen, während die optische Profilometrie schnellere Messungen über größere Flächen liefert, jedoch mit geringerer lateraler Auflösung. Abbildung 3 zeigt 3D-AFM- (links) und 3D-Optische Profilometrie-Aufnahmen (rechts) eines gelaserten Glassubstrats. Diese Techniken liefern Rauheitsdaten auf einer Nano- bis Makroskala, die wichtig sind für statistische Korrelationen der Besiedlung von Krankheitserregern auf großen, stark frequentierten Oberflächen, wie in Krankenhäusern.
Im STOP-Projekt nutzt das Fraunhofer IKTS die nanoGPS-Technologie, um die gleiche Probenregion über verschiedene Instrumente hinweg zu relokalisieren [2]. So können Morphologie-, Topographie- und Kompositionsdaten desselben Objekts (Nanopartikel, Bakterien, Viren) erfasst und in einen korrelativen Analyse-Workflow mit maschinellem Lernen integriert werden.
[1] L. Sotelo et al., Adv. Mater. Technol. 8, 2201802 (2023).
[2] A Kraus et al., Cells 12, 1245 (2023).