Forschung aktuell
Die Wirtschaftsleistung und Ertragskraft von Unternehmen ist für Beschäftigte und Kommunen von entscheidender Bedeutung. Für die Stiftung Arbeit und Umwelt (StAuU) der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) hat das Fraunhofer IKTS regionale Standortfaktoren der Landkreise Alzey-Worms und Kelheim verglichen. Im Fokus stand dabei die Untersuchung der aktuellen Situation. Für Kelheim sollten darüber hinaus Handlungsfelder für langfristige Weichenstellungen identifiziert sowie Zukunftsbranchen und -technologien diskutiert werden.
Zunächst wurden auf Grundlage umfassender Wirtschaftsdaten die Ausgangslagen beider Landkreise bewertet. Dies erfolgte durch die Analyse von Kennzahlen zu Steuerkraft, Arbeitsmarkt, Branchenstruktur und demografischer Entwicklung. Zusätzlich erfolgte die Einordnung regionaler Besonderheiten in einen nationalen Kontext auf Basis qualitativer Analysen und wissenschaftlicher Literatur. Im Ergebnis wurden Unterschiede zwischen den Landkreisen ermittelt und strategische Empfehlungen für Handlungsfelder einer zukunftsfähigen Entwicklung des Landkreises Kelheim formuliert.
Im Landkreis Kelheim dominiert die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe, in Alzey-Worms die im Dienstleistungssektor. Zugleich erzielen die Dienstleistungen in Kelheim eine höhere Wertschöpfung als das verarbeitende Gewerbe. Besondere Bedeutung kommen der wirtschaftlichen Diversifizierung, der Fachkräftesicherung, der Förderung neuer Technologien – insbesondere im Bereich der Wasserstoffwirtschaft – und der Verbesserung der Standortattraktivität zu. Während Alzey-Worms durch die Nähe zu Mainz und den dort ansässigen Pharma- und Biotechnologieunternehmen profitiert, steht Kelheim vor der Herausforderung, seine industrielle Basis zukunftsfähig zu gestalten. Die Analysen zeigen, dass Kelheim trotz seiner traditionellen Industrien Potenziale in neuen Technologien und der Digitalisierung hat. Die Automobilindustrie als wichtiger Kunde birgt Risiken, denen die Unternehmen mit Innovationen und neuen Zielmärkten begegnen können. Die strategische Lage Kelheims zwischen großen Wirtschaftszentren eröffnet zusätzliche Chancen, um die Attraktivität des Standorts zu erhöhen und den Fachkräftemangel aktiv anzugehen. Ein integrativer Ansatz, der Wirtschaft, Politik und Gewerkschaften einbezieht, ist entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen und die langfristige Entwicklung der Region.