Elektrochemische Isotopenanreicherung für das Radionuklidrecycling

Forschung aktuell

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Abb. 1: Technikumsanlage für die elektrochemische Totaloxidation im Radionuklidlabor des Fraunhofer IKTS.
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Abb. 2: Verlauf der 14C-Freisetzung.
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Abb. 3: Verlauf der 14C-Aktivität im Absorber 1.

Die Entsorgung flüssiger 14C-haltiger organischer Abfälle stellt nach wie vor ein teilweise ungelöstes Problem dar. Eine Endlagerung ist nicht möglich. Andererseits gibt es für das Isotop 14C nach wie vor einen erheblichen Bedarf in Forschung und Industrie, was aufgrund von Knappheiten auf dem Weltmarkt einen starken Preisanstieg zur Folge hatte.

 

Technikumsanlage

Forschende des Fraunhofer IKTS haben basierend auf ihren Erfahrungen zur elektrochemischen Behandlung solcher Abfälle nun eine Technikumsanlage (Abb. 1) entwickelt, mit der das Isotop 14C aus mit 14C angereicherten Gasfraktionen gewonnen werden kann – bei gleichzeitiger Dekontamination des flüssigen Abfalls. In dem Verfahren werden die organischen Stoffe elektrochemisch zu CO2 umgesetzt. Dabei wird 14C-CO2 freigesetzt, das anschließend in endlagerfähige anorganische Salze überführt wird. Auf diese Weise können die Entsorgungskosten, die typischerweise bei 250–450 T€/m3 liegen, drastisch reduziert werden.

 

Verfahrenskombination zur 14C-Anreichung

Um der anspruchsvollen Zielstellung näher zu kommen, wurden zunächst umfangreiche Untersuchungen zur Kinetik der Gasund Radioaktivitätsfreisetzung an diversen organischen Verbindungen durchgeführt. Dabei zeigten sich deutliche Maxima der 14C-Freisetzung im Reaktionsverlauf. Während dieser Phasen ist 14C in besonders hoher Aktivität im Anodengas enthalten (Abb. 2). Diesen Effekt kann man nutzen, um mit 14C angereicherte Gasfraktionen getrennt aufzufangen (Abb. 3) und von solchen zu trennen, die nur wenig 14C enthalten und dennoch in den radioaktiven Abfall gelangen. Dies bietet die Möglichkeit, Abfälle mit hinreichend hoher 14C-Aktivität über einen Elektrolyseschritt (elektrochemische Totaloxidation) einer nachfolgenden weiteren Anreicherung mittels Clusius-Dickel-Verfahren (Thermodiffusion) zugänglich zu machen. Über eine automatische Ventilsteuerung kann die Anlage 14C-reiche von -ärmeren Gasfraktionen trennen. Weitere Steuerungsmöglichkeiten liegen in der Prozessführung.

 

Radionuklidrecycling und Kostenpotenziale

Das entwickelte Verfahren zielt auf die Behandlung solcher radioaktiver Abfälle in Landessammelstellen und bei Unternehmen aus den Bereichen Pharma- und Pflanzenschutzmittelforschung sowie nukleare Entsorgung ab. Neben der Anreicherung von 14C bei gleichzeitiger Dekontamination des flüssigen Abfalls besteht auch die Möglichkeit des 14C-Recyclings. Ein Kilogramm 14C kostet derzeit mehr als 10 Mio. €, die Entsorgung eines Kubikmeters solcher Abfälle ca. 400 000 €. Die Gewinnung anderer Isotope wie Tritium steht bereits im Fokus weiterer Untersuchungen.

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