HybridEcho: Mikro-elektronische Hybridsysteme im Ultraschall

Projekt

Die Anwendung von Ultraschall in der modernen Medizin als nicht-ionisierendes Diagnosewerkzeug beruht auf der Piezokomposit-Technologie zur Aussendung und Aufnahme kurzer Pulse, die die Visualisierung von Gewebe ermöglichen. Dabei bestehen große Einschränkungen hinsichtlich Auflösung und Bildtiefe und damit potenzielle Risiken für Patienten während medizinischer Eingriffe.

Im Gegensatz zu diskreten, verfügen kontinuierliche Übertragungs- und Empfangstechniken aus Telekommunikation und Radar über eine überlegene Reichweite und Auflösung. Innovationen im Rahmen von 5G und 6G, die multiple input multiple output (MIMO) Konfigurationen, haben den Informationsgewinn aus solchen Signalmodalitäten für die Bildgebung weiter verbessert. Die Integration dieser komplexen Signalarchitekturen in die medizinische Ultraschalldiagnostik unter Verwendung von Piezokompositen stößt jedoch auf Hindernisse aufgrund unzureichender Empfängerempfindlichkeit und Senderbandbreite. Darüber hinaus beschränken konventionelle Verarbeitungsmethoden die Integration in ein vollständiges Ultraschallsystem, was die Entwicklung des medizinischen Ultraschalls bremst.

Dieses Forschungsprojekt zielt darauf ab, hochsensible MEMS-basierte Ultraschallempfänger (cMUTs) mit leistungsstarken piezoelektrischen Sendern zu kombinieren, um sowohl Bandbreite als auch Empfindlichkeit für kontinuierliche Übertragungsmethoden zu verbessern. Die Eigenschaften der aktuell verfügbaren Bauteile erschweren eine nahtlose Integration in ein Gesamtsystem und beeinträchtigen dessen mögliche Leistung. Erster Schwerpunkt dieses Projektes ist daher die Entwicklung wesentlicher Einzelkomponenten, die für die Implementierung kontinuierlicher Signalmethoden (TRL 3-4) unerlässlich sind. Anschließend werden die Komponenten in ein Gesamtsystem integriert, das in der Lage ist, mehrere synchrone Übertragungen mit beliebig codierten Signalen über MEMS-basierte Empfänger darzustellen und damit überlegene Bildgebungsfähigkeiten ermöglicht.

Rendering des angestrebten HybridEcho-Schallkopfs.
© Fraunhofer IKTS
Rendering des angestrebten HybridEcho-Schallkopfs.

Das Fraunhofer IKTS fokussiert sich im Rahmen des Projekts auf die Entwicklung miniaturisierter Ultraschall-Sender (10 mm x 0,3 mm), die auch mit kleinen Spannungen (< 50 V) in einem großen Frequenzbereich (2 MHz bis 16 MHz) hohe Schalldrücke aussenden können. Hierfür arbeiten wir gemeinsam mit alle Projektpartnern an neuartigen, piezoelektrischen 1-3 Kompositen auf Basis von PMN-PT sowie akustischen Metamaterial-Anpassschichten mittels 2-Photonen-Lithografie. Darüber hinaus entwickeln wir neue Verfahren zur Charakterisierung der akustischen Eigenschaften: gleichzeitige Messung von Dicke und Schallgeschwindigkeit für makroskopische, teils hochelastische Proben, sowie zu Messung der akustischen Impedanz mikroskopischer Proben (< 500 µm) mittels Ultraschallmikroskopie (SAM).

Das Fraunhofer IKTS unterstützt die Projektpartner weiterhin bei der Herstellung der piezoelektrischen Kompositmaterialien, der Konfektionierung der piezoelektrischen Sender und deren elektrischer Charakterisierung. Für den Funktionsnachweis der neu entwickelten Komponenten werden am Fraunhofer IKTS Demonstratoren entwickelt und aufgebaut, die einen direkten Vergleich der neu entwickelten Komponenten mit konventionellen Ansätzen erlauben. Erste Demonstratoren mit jeweils einem Sendeelement und Metamaterial-Anpassschicht sind bereits in Betrieb.

2-Photonen-Lithografie Probe mit akustischem Impedanzmapping.
© Fraunhofer IKTS
2-Photonen-Lithografie Probe mit akustischem Impedanzmapping.
Prüfkopf mit miniaturisiertem Ultraschall-Sender.
© Fraunhofer IKTS
Prüfkopf mit miniaturisiertem Ultraschall-Sender.
Frontfläche des Prüfkopfes.
© Fraunhofer IKTS
Frontfläche des Prüfkopfes.

Das von der Sächsischen Aufbaubank geförderte Projekt HybridEcho ist mit einem Budget von 5,6 Millionen Euro für die Dauer von 34 Monaten ausgestattet. Das breit aufgestellte Konsortium besteht aus Partnern aus Industrie, Forschung und Start-Ups. Das HybridEcho-Projekt ist Teil des BMBF-Zukunftsclusters »SEMECO«, welches in Dresden die Innovationszyklen der Medizintechnik beschleunigen möchte.

 

Weitere Informationen
 

 

Projekttitel: Mikro-elektronische Hybridsysteme im Ultraschall (HybridEcho)
Projektzeitraum: 01.08.2023 bis 31.05.2026
Finanzierung: Freistaat Saschen, kofinanziert von der Europäischen Union
Projektpartner: EKFZ für Digitale Gesundheit an der Medizinischen Fakultät der TU Dresden (Projektkoordination), Vodafone-Stiftungslehrstuhl für mobile Nachrichtensysteme der TU Dresden, Infineon Technologies Dresden GmbH & Co. KG, Fraunhofer-Institut für photonische Mikrosysteme IPMS, SITEC Industrietechnologie GmbH, HETEROMERGE GmbH, Exelonix GmbH, WOLFRAM Designer und Ingenieure.