Forschung aktuell
Die IKTS-Projektgruppe »Kognitive Materialdiagnostik« (Kog- MatD) wurde am 1.1.2019 gegründet und ist an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) in Cottbus angesiedelt. Sie entwickelt intelligente Verfahren zur Materialdiagnostik sowie zur Überwachung von Systemen auf Basis künstlicher Intelligenz (KI) und maschinellen Lernens (ML). Gemeinsam mit zahlreichen Unternehmen der Region, Lehrstühlen der BTU, nationalen und internationalen Universitäten und Forschungseinrichtungen sowie Kliniken konzipiert und gestaltet die Gruppe anwendungsnahe Projekte. Dabei kommt v. a. die akustische Diagnose zum Einsatz: von der Qualitätsbewertung gefertigter Bauteile, der vorausschauenden Instandhaltung für industrielle Anlagen und Verschleißkomponenten über die Verarbeitung gesprochener und geschriebener Sprache bis hin zur Analyse biologischer und medizinischer Daten.
Die Projektgruppe wurde im Jahr 2023 erfolgreich evaluiert und über die Laufzeit von fünf Jahren hinaus verstetigt.
Ein Schwerpunkt mehrerer aktueller Projekte der Gruppe KogMatD ist die vorausschauende Instandhaltung von Maschinen und Anlagen (Predictive Maintenance). Für Systeme aus den Bereichen Energie, Mobilität und Produktion werden Anlagendaten, Prozess- und Umgebungsparameter geeignet kombiniert, um eine automatische, KI-basierte Zustandsvorhersage zu erzeugen. Ziel ist es, eine optimierte Wartung der zu untersuchenden Maschinen und Anlagen durchzuführen und unvorhergesehene Ausfälle zu vermeiden.
Ein weiteres Forschungsgebiet ist die automatische Analyse bzw. Erkennung von Texten und gesprochener Sprache, die in aktuellen Projekten für Roboter- und Maschinensteuerung, Diktiersysteme und Videotranskription zur Anwendung kommt. Besonderes Augenmerk wird darauf gelegt, dass die Analyse autark und sicher ausgeführt wird und keine Übertragung an Dritte oder externe Server erfolgt. Zudem engagiert sich die Projektgruppe für die Bewahrung seltener Sprachen. Im Jahr 2024 startete das nunmehr vierte Folgeprojekt zur Erkennung obersorbischer Sprache.
In einem laufenden Projekt entwickelt die Projektgruppe gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden und Anwendungspartnern ein Diagnostiksetup inklusive KI-basiertem Auswertealgorithmus. Dies soll dabei helfen, Rückenschmerz, eine der häufigsten Krankheiten, möglichst frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Mit diesem Setup werden sensorgestützte Funktionsmessungen am Patienten durchgeführt. Die Projektgruppe analysiert und klassifiziert vorhandene Gesundheitsdaten früherer Messungen und nutzt diese für die Bewertung der neuen, mit dem Diagnostiksetup aufgenommenen Daten.
Die Projektgruppe entwickelte ein kostenloses und frei verfügbares KI-basiertes Portal, mit dem Nutzer Audiodaten von Maschinen und Anlagen analysieren und auf Anomalien (Abweichungen vom Normalzustand) untersuchen können (Abb. 1). Das Portal ist nutzerfreundlich und eignet sich durch einen niederschwelligen Einstieg auch für Anwender, die keine oder nur geringe KI-Kenntnisse besitzen. Für KI-erfahrene Nutzer steht ein Profimodus zur Verfügung, mit dem verschiedene Parameter justiert werden können.