Elektromigrationstests für Zuverlässigkeit in der Mikroelektronik

Thema

Elektromigration (EM) bezeichnet den Transport von Metallionen in Leiterbahnen durch den Einfluss eines elektrischen Stroms. Dabei übertragen Elektronen ihren Impuls auf die Metallionen (»electron wind«), was zu Materialverschiebungen, Hohlraumbildung (Voids) und letztlich zum Ausfall von Leiterbahnen führen kann. Besonders relevant ist Elektromigration für On-Chip-Interconnects, da hier extrem hohe Stromdichten auftreten.

Im Zuge der weiteren Miniaturisierung von Mikroelektronik-Komponenten wird Elektromigration das weitere Downscaling von Leiterbahnen erschweren. Um auch zukünftig die Zuverlässigkeit zu sichern, gewinnen neue Materialien, Designs und Fertigungsprozesse, die gegenüber Elektromigration beständig sind, an Bedeutung. Für deren Entwicklung und Charakterisierung stehen am Fraunhofer IKTS großskalige Testmethoden auf Package-Level zur Verfügung. Damit kann das Elektromigrationsverhalten unter verschiedenen Bedingungen getestet werden, die weit über Standardtests hinausgehen. Die Prüfmethoden werden mithilfe fortgeschrittener Simulationen und EM-Modellen untersetzt.
 

Elektromigrations-Ofen zum Testen von 60 Chipgehäusen, in denen jeweils zwei Leiterbahn-Teststrukturen angesteuert werden können.
© Fraunhofer IKTS
Elektromigrations-Ofen zum Testen von 60 Chipgehäusen, in denen jeweils zwei Leiterbahn-Teststrukturen angesteuert werden können.
Wafertester-Kammer mit zwei Gleichstrom-Tastspitzen für Elektromigrations-Lebensdauertest, 200 mm-Probentisch kann bis 300 °C aufgeheizt werden.
© Fraunhofer IKTS
Wafertester-Kammer mit zwei Gleichstrom-Tastspitzen für Elektromigrations-Lebensdauertest, 200 mm-Probentisch kann bis 300 °C aufgeheizt werden.
Elektrische Einzeltests für einzelne Chips oder ganze 200 mm-Wafer, optional unter Einfluss von Hochfrequenz (bis 300 °C und unter Stickstoffatmosphäre möglich).
© Fraunhofer IKTS
Elektrische Einzeltests für einzelne Chips oder ganze 200 mm-Wafer, optional unter Einfluss von Hochfrequenz (bis 300 °C und unter Stickstoffatmosphäre möglich).


Standardisierte und erweiterte Elektromigrationstests
 

  • Test der vollständigen T-j-Matrix mit eigenen Testsystemen (z. B. QualiTau): Entwicklung eigener Algorithmen zur Lebensdauerbestimmung und Nutzung erweiterter Testmatrizen und spezieller Teststrukturen
  • RF-Einfluss: EM-Tests unter Hochfrequenz-Einfluss bis 90 GHz und 300 °C (teils unter Stickstoffatmosphäre)
  • Mechanische Belastung: EM-Tests unter Zug- und Biegebelastung mit speziellen Biegevorrichtungen
  • Pulsierende Ströme: EM-Tests mit gepulsten DC/AC-Strömen
  • Kurze Leiterbahnen: Untersuchung von EM-Effekten auf sehr kurzen Interconnects
  • Frühausfälle (Wheatstone-Brücken): Parallele Tests von hunderten Interconnects. Die Methode ist sehr sensitiv für Frühausfälle (ppm-Bereich) und ermöglicht eine bessere statistische Erfassung als Einzeltests.
     

Technische Ausstattung
 

  • Testschränke mit jeweils zwei Öfen zum gleichzeitigen Testen von bis zu 60 Chipgehäusen (QualiTau MiRA)
  • SMU-Einheiten zur Generierung von gepulsten Strömen
  • Biegevorrichtungen für mechanische Tests
  • Wafertester für elektrische Einzeltests mit beheizbarem Probentisch, optional unter Hochfrequenz-Einfluss