Forschung aktuell
Piezokeramiken werden vielfach in der Sensorik verwendet. Aber sie kommen auch als Aktoren in der nanometergenauen Positionierung, beispielsweise von Belichtungssystemen in der Halbleiterfertigung, in der hochauflösenden Mikroskopie oder in der Biotechnologie zum Einsatz. Etablierte Piezokeramiken basieren bisher auf Bleizirkonat-Titanat. Die Synthese, Verarbeitung und spätere Entsorgung der bleihaltigen Komponenten geht mit Risiken für Umwelt und Gesundheit einher, weshalb in der EU und weltweit strenge Vorschriften gelten und nur Ausnahmeregelungen die Verwendung gestatten.
Am Fraunhofer IKTS wird gemeinsam mit der PI Ceramic GmbH an bleifreien Alternativwerkstoffen geforscht. Das System (K,Na)NbO3 (KNN) bietet gute Voraussetzungen als Aktorwerkstoff: In den vergangenen Jahrzehnten wurden hohe Dehnungen in Piezokeramiken erzielt – eine Voraussetzung für den Piezoeffekt. Die Kristallstruktur der entwickelten KNN-Keramik ändert sich jedoch mit steigender Temperatur. Die ideale Dehnung wurde anfangs nur in einem kleinen Temperaturintervall im Bereich des Strukturwechsels erzielt (Abb.1). Für hochgenaue Positioniersysteme ist aber ein stabiles Dehnungsverhalten bei sich verändernden Temperaturen essenziell. Durch gezielte Bildung von Mischkristallen und optimierte Dotierungen konnte der Temperaturbereich des Phasenübergangs im Kristallsystem deutlich verbreitert werden, ohne relevante Verringerung der piezoelektrischen Dehnung. Im Ergebnis der Entwicklungsarbeiten stehen mehrere optimierte Werkstoffe mit stabilem Dehnungsverhalten von Raumtemperatur bis über 100 °C zur Verfügung (Abb. 1). Damit ist ein großer Fortschritt für zukünftige Positioniersysteme mit bleifreien Piezowerkstoffen gelungen.
Die erarbeiteten KNN-Zusammensetzungen sintern bei Temperaturen um 1200 °C. Die Senkung der Sintertemperatur wurde aus verschiedenen Gründen zur Etablierung der KNN-Hochleistungskeramik verfolgt:
Um diese Ziele zu erreichen, wurden verschiedene Sinterhilfen, darunter CuO, ZnO oder Li2CO3, zugegeben. Die meisten Kombinationen von angepasster KNN-Keramik und Sinterhilfen führen zu Beeinträchtigungen. Besonders die maximale Dehnung verringert sich empfindlich. Daher ist es notwendig, für jeden der optimierten Werkstoffe eine speziell angepasste Kombination mit Sinterhilfsstoffen einzusetzen. So kann die Sintertemperatur der temperaturstabilen Piezowerkstoffe bei ausgezeichneten Dehnungseigenschaften um bis zu 100 K gesenkt werden. Zukünftige Herausforderungen sind die Skalierung zu größeren Probenkörpern und die Langzeitstabilität der neuen Werkstoffe.
Die Autoren danken dem Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF für die finanzielle Unterstützung im Rahmen der Förderinitiative RUBIN (FKZ: 03RU1U162E).